24|06|18 // Deutsche Meisterschaften der Junioren und Jungen Reiter in Luhmühlen

Was das "große Luhmühlen" zu wenig hatte, gab es während der deutschen Nachwuchsmeisterschaften reichlich: Regen. Der heideboden konnte das gut vertragen und die gelentlich "frisch geduschte" Judend ließ sich vom Wetter nicht stören und zeigte sehr guten Sport. Im Rahmen zweier Kurzprüfungen wurden die Meisterinnen ermittelt, in diesem Jahr Kurz, da die Nachwuchs-Europameisterschaften bereits Anfang Juli stattfinden und die Belastung für die Pferde so gering wie möglich gehalten werden sollte.

Anna lena Schaaf und Emma brüssau 2018 German Eventing
Fotos: Annette Dölger

Ganz interessant ist ein Blick in die Starterlisten, denn man sieht, dass der Reitsport jung hält und bei vielen (auch noch aktiven) deutschen Top-Reitern an die eigenen Kinder weiter gegeben worden ist, die mittlerweile schon im Nachwuchs-Championatsalter sind. Greta Busacker (Tochter von Ingrid Klimke), Calvin Böckmann, Alina Dibowski, Kaya Thomsen und sicher noch einige mehr, machten es ihren Eltern nach und starteten in Luhmühlen.

Die Meistertitel gingen an zwei junge Damen, nämlich Emma Brüssau (Junge Reiter/Foto oben rechts) und Anna Lena Schaaf (Junioren/Foto oben links). Neben den meisterschaften war Luhmühlen auch deshalb spannend, weil die Teilnehmer und Reservisten für die Nachwuchs-EM in Fontainebleau bestimmt wurden. Nach einem kurzen Slow-Motion-Video folgen die Nominierten für die EM und die beiden ausführlichen Berichte der FN-Press, wie fast immer geschrieben von Uta Helkenberg, die seit Jahren eng verbunden mit der Vielseitigkeitsreiterei ist.



Nominierung für Nachwuchs-EM Vielseitigkeit

Jeweils sechs Junioren und Junge Reiter für den Start in Fontainebleau benannt

Luhmühlen (fn-press). Im Anschluss an die Deutsche Jugendmeisterschaften in Luhmühlen hat die AG Nachwuchs des Vielseitigkeitsausschusses des Deutschen Olympiade-Komitees für Reiterei (DOKR) die Kandidaten für die Europameisterschaften in Fontainebleau in Frankreich (11. bis 15. Juli) bekannt gegeben. Nominiert wurden (in alphabetischer Reihenfolge):

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Junge Reiter (U21): Antonia Baumgart (Düsseldorf/RHL) mit Lamango, Emma Brüssau (Schriesheim/BAW) mit Dark Desire GS und R Donnerstag, Hanna Knüppel (Warendorf/Kisdorf/SHO) mit Carismo, Fritz Ludwig Lübbeke (Wingst/HAN) mit Caramella, Hella Meise (Steinhagen/WEF) mit First Flight's Beauty und Jerome Robiné (Warendorf/Darmstadt/HES) mit Guccimo R. Als erste Reserve wurde Anais Neumann (Nürmbrecht/RHL) mit Inka van die Vrobiehoeve, als zweite Katharina Grupen (Brandis-Waldsteinberg/SAC) mit Royal Favourite und als dritte Reserve Charlotte Whittaker (Ampfing/BAY) mit Lady Brown nominiert.

Junioren (U18): Calvin Böckmann (Lastrup/WES) mit Altair de la Cense, Greta Busacker (Münster/WEF) mit Coco Maurice, Alina Dibowski (Döhle/HAN) mit Barbados, Anna-Lena Schaaf (Voerde/RHL) mit Fairytale, Brandon Schäfer-Gehrau (Düsseldorf/RHL) mit Fräulein Frieda und Josephine Schulze Bisping (Werne/WEF) mit Abke’s Boy. Als erste Reserve wurde Kaya Thomsen (Lindewitt/SHO) mit Casparls zweite Reserve Nina-Carlotta Meiners (Ganderkesee/WES) mit Emmi M nominiert, dritte Reserve mit Hella Jensen (Tetenhusen/SHO) mit Luzi Caro.



DM Junge Reiter Luhmühlen: Gold für Emma Brüssau

Silber für Antonia Baumgart / Bronze für Fritz Ludwig Lübbeke

Luhmühlen (fn-press). Mission Titelverteidigung geglückt: Ein Jahr nach Gold bei den Junioren gewinnt Emma Brüssau mit Dark Desire GS in Luhmühlen die Deutsche Meisterschaft Vielseitigkeit bei der Jungen Reitern (U21) vor Antonia Baumgart und Fritz-Ludwig Lübbeke.

„Damit hätte ich am Anfang des Jahres niemals gerechnet“, sagte Emma Brüssau nach ihren Titelgewinn. „Es hat wirklich geholfen, dass ich seit dem Frühjahr bei Julia Krajewski in Warendorf trainiere und natürlich hat der Trainingsaufenthalt bei Chris Bartle unheimlich viel gebracht.“ Schon früh stand fest, dass die Reiterin aus dem badischen Schriesheim die Goldmedaille gewinnen würde. Denn nach Dressur und Gelände nahm sie mit ihren beiden Pferden die Plätze eins und zwei ein. Im abschließenden Springen wurde ihr Start mit der zweitplatzierten Dark Desire GS daher vorgezogen. Dank einer Nullrunde blieb es bei 30,8 Minuspunkten für das Paar. Damit war der Reiterin der Titel bereits sicher, sie konnte sich mit ihrer bis dahin besser platzierten Stute Donnerstag nur noch selbst schlagen. Ein Abwurf vereitelte den Plan. „Das war mein Fehler“, gestand sie. "Vielleicht war ich einfach nicht mehr konzentriert genug, nachdem mein Sieg schon feststand.

Die Silbermedaille ging an Antonia Baumgart mit Lamango. Wie Brüssau ist auch die Düsseldorferin eine Junioren-Umsteigerin. Gemeinsam absolvierten sie auch den Trainingsaufenthalt in England bei Ex-Bundestrainer Chris Bartle. Und wie Brüssau kam sie fehlerfrei aus dem Parcours. „Lamango ist ein sicherer Springer. Trotzdem kann man sich nie sicher sein, dass es klappt“, sagte sie strahlend. „Es hat nach der langen Geländeprüfung im Parcours nochmal richtig für mich gekämpft.“ Ursprünglich war der Schimmel für ihren Vater Dietrich Baumgart gedacht, der selbst vor genau 40 Jahren Junioren-Europameister in Burghley war und vor zwei Jahren mit ihm in Luhmühlen im Ü40-Cup antrat. Inzwischen ist der achtjährige La Calido-Sohn allerdings fest im Beritt von Antonia Baumgart, parallel zu ihrer Stute Little Rose. Mit dieser konnte sie in Luhmühlen zunächst die Dressur gewinnen, kam allerdings aufgrund einer Zwangspause im Gelände mit deutlicher Verspätung ins Ziel. Mit Lamango als Zweitpferd rückte sie dagegen in Medaillennähe vor. Dank der Nullrunde im Springen blieb es bei 34,4 Minuspunkten.

Während sich die Rangierung bei den Junioren im Springen an der Spitze kaum änderte, sorgte bei den Jungen Reiter der ein oder andere Springfehler für Veränderungen. Besonders bitter traf es die Warendorfer Sportsoldatin Johanna Zantop, die mit FBW Santana’s Boy gute Aussichten auf eine Medaille gehabt hätte, mit drei Abwürfen jedoch nach hinten durchgereicht wurde. Auch die ehemalige Junioren-Meisterin Anais Neumann (Nürmbrecht) verpasste mit Inka van de Vrobiehoeve wegen eines Abwurfes einen Platz auf dem Treppchen und wurde mit 39,3 Minuspunkten Vierte.

Lachender Dritter war am Ende Fritz Ludwig Lübekke aus Wingst mit Caramella. „Er ist super sicher im Springen, außerdem nervenstark und belastbar“, hatte Bundestrainer Frank Ostholt vorab prophezeit und sollte Recht behalten. Dank einer Nullrunde im Parcours durfte sich Lübbeke bei einem Endstand von 36,9 Minuspunkten die Bronzemedaille umhängen lassen.

Die Deutschen Meisterschaften der Jungen Reiter wurden im Rahmen einer offen ausgeschriebenen Zwei-Sterne-Kurzprüfung ausgetragen. Besser als die neue Meister schloss am Ende nur eine ab: Ingrid Klimke (Münster) mit Nachwuchspferd Asha P. Sie beendete die Prüfung mit nur 27,6 Minuspunkten.



DM Junioren Luhmühlen: Gold für Anna Lena Schaaf

Start-Ziel-Sieg für rheinische Reiterin / Silber für Harting / Bronze für Busacker

Luhmühlen (fn-press). Anna Lena Schaaf ist Deutsche Juniorenmeisterin in der Dressur. MIt einer Nullrunde im Springen besiegelte sie ihren Titelgewinn vor Konstantin Harting und Greta Busacker.

Es war ein Start-Ziel-Sieg für die rheinische Reiterin, die bereits 2015 als Ponyreiterin den Titel gewinnen konnte. Schon damals gewann sie parallel dazu mit Fairytale das U15-Bundesfinale. Seit vergangenem Jahr ist sie mit der Fuchsstute in internationalen Prüfungen am Start. Bei den beiden bislang einzigen Junioren-Nationenpreisturnieren gehörte das Paar jedes Mal zum deutschen Team. „Anna Lena ist absolut nervenstark und konzentriert. Seine besondere Stärke hat das Paar sicherlich in der Dressur und ist zuverlässig in Gelände und Springen“, charakterisiert Bundestrainerin Julia Krajewski die neuen Deutschen Meister, die mit nur 22,3 Minuspunkten nach Dressur den Grundstock für ihren späteren Sieg legten. Eine Nullrunde durch das rund 3.000 Meter lange Gelände der internationalen Ein-Stern-Kurzprüfung (CIC1*) folgte, ebenso im Springen. Hier zahlte sich ihre Erfahrung in Springprüfungen aus, denn als Führende musste Schaaf als Letzte in den Parcours – in dem Bewusstsein, dass ein einziger Abwurf nicht nur den Titel, sondern gleich mehrere Plätze kosten würde.

So war es auch bei Konstantin Harting (Königswinter) und seiner Westfalenstute Cigaline, die aus eigener Zucht stammt. Beim Nationenpreisturnier in Marbach hatte er wegen Springfehlern noch einen vorderen Platz verpasst. in Luhmühlen blieb er nun im Gelände und abschließend auch im Parcours fehlerfrei. Ein Endstand von 24,3 Minuspunkten bedeutete die Silbermedaille. „Aufgeregt war ich erst auf der letzten Linie“, sagte Harting, "Wir haben in letzter Zeit viel am Springen gearbeitet. Es macht mich glücklich, dass ich es hier so umsetzen konnte. Das ist echt cool." Wie Schaaf war er bereits einmal Deutscher Meister der Ponyreiter. „Konstantin hat sein Pferd im letzten Jahr sorgfältig aufgebaut, wobei einzelne Fehler im Gelände oder Springen bislang eine Topplatzierung verhindert haben. Die Entwicklung der beiden ist allerdings sehr vielversprechend und der jetzige Erfolg zeigt, dass es in die richtige Richtung geht“, bestätigt Julia Krajewski.

Auf dem Bronzerang landete mit 25,3 Minuspunkten Greta Busacker (Münster) mit Coco Maurice, die es damit beinahe ihrer Mutter Ingrid Klimke nachgemacht hätte, die am Wochenende vor der DJM Deutsche Vizemeisterin in Luhmühlen wurde. „Coco Maurice hat sich im letzten Jahr gerade dressurmäßig deutlich verbessert. Das Paar hat sich über die Saison deutlich nach vorne gearbeitet“, sagt die Bundestrainerin. Im Mai in Warendorf wurde Greta Busacker bereits Zweite im Preis der Besten. In Luhmühlen konnte sie wie Schaaf und Harting ihr Dressurergebnis bis zum Ende erhalten. Damit bewies auch sie gute Nerven, denn direkt vor ihr war bereits Calvin Böckmann (Lastrup) mit Altair de la Cense im Parcours fehlerfrei geblieben und hatte damit die führenden Drei unter Druck gesetzt. Am Ende blieb es bei 26,1 Minuspunkten und dem "undankbaren" vierten Platz für den Marbach- und Preis-der-Besten-Sieger. „Calvin ist von allen Junioren im Moment der konstanteste“, sagt Krajewski.

Insgesamt bewarben sich 51 Junioren um den Titel des Deutschen U18-Meisters. Greta Busacker war dabei nicht die einzige Reiterin mit einem selbst im Sport erfolgreichen Elternteil. So landete Alina Dibowski (Döhle), die Tochter des Lokalmatadors und Mannschaftsolympiasiegers Andreas Dibowski, mit Barbados auf Platz fünf (27,2). „Im vergangenen Jahr war sie noch das Küken im deutschen EM-Team, jetzt hat sie bereits eine erste Zwei-Sterne-Erfahrung gesammelt und ist im Gelände eine ‚Bank‘“, sagt Julia Krajewski. Mit einem ehemaligen Olympiapferd wurde Kaya Thomsen (Lindewitt) Sechste. Die 15-jährige Tochter des zweimaligen Mannschaftsolympiasiegers Peter Thomsen beendete die DJM mit dessen London-Pferd Horseware’s Barny mit 27,8 Minuspunkten und wurde darüber hinaus mit Caspar Siebte in der CIC1-*Wertung. Mit ihm hatte war sie als erste Starterin im Gelände nur eine Sekunde zu langsam gewesen, Ein Endstand von 28,8 Minuspunkten bedeuteten Platz sieben in der CIC*-Wertung. "Eine noch junge Reiterin mit Talent zum Springen und guter Perspektive für die nächsten Jahre“, so die Einschätzung der Bundestrainerin.

„Wir hatten hier in Luhmühlen eine absolut championatswürdige Juniorenmeisterschaft. Die Geländeprüfung stellte den richtigen Anspruch an die Teilnehmer, hinzu kam die Zeit als entscheidender Faktor. Es wurde alles abgefragt, was bei so einem Championat zu erwarten ist. Gerade im Hinblick auf die Europameisterschaften war die DJM eine motivierende Prüfung“, fasst Julia Krajewski ihren Eindruck der DJM zusammen.

Antext: GE
Berichte: FN-Press / Uta Helkenberg
Fotos: Annette Dölger
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