12|06|18 // Interview mit Bundestrainer Hans Melzer

Wie sieht der Sichtungsweg für die Weltreiterspiele in diesem Jahr aus?

Die meisten Kaderreiter reiten Luhmühlen, bis auf Michi Jung, denn sein Pferd fischerRocana FST ging schon sehr erfolgreich eine schwere Prüfung, das CCI4* in Kentucky. Nach Luhmühlen geht es in vier Wochen nach Aachen (CICO3*) und dann, als letzte Sichtungsprüfung, drei Wochen später, nach Strzegom/POL (CIC3*). Also absolvieren die meisten Paare jetzt noch zwei oder drei Prüfungen, wobei alle Pferde, die in Luhmühlen Viersterne gehen nicht in Aachen starten werden, der Abstand wäre uns mit vier Wochen zu kurz. Drei Wochen nach Strzegom ist dann der Abflug zu den Weltreiterspielen geplant, die eine Woche später für uns beginnen. Kurz vor einem Championat noch eine Prüfung zu reiten hat sich als sehr positiv herausgestellt, besonders für die Reiter.

Bundestrainer Hans Melzer 2018 German Eventing

Wann wird die Longlist für die WEG bekannt gegeben?

Nach Luhmühlen wird die Longlist erstellt und bekannt gegeben, mit insgesamt 15 Pferden, früher waren das nur acht*. Wir versuchen auch gleichzeitig drei 5er-Blöcke zu machen, die ersten 5 usw., damit die Reiter sich selbst einordnen und auch planen können. Zwischen Luhmühlen und Aachen wird es ein Trainingslager in Warendorf geben, hier werden die Championats-Dressuraufgabe und Geländetraining auf dem Programm stehen, besonders für die Pferde, die Aachen gehen. Nach Strzegom wird dann endgültig nominiert.

Wird auch in diesem Jahr Andrew Nicholson als Berater dabei sein?

Nein, bisher ist nichts geplant, das war in diesem Jahr terminlich schwer zu organisieren, außerdem haben unsere Reiter so viel von Chris gelernt und selbst viel Erfahrung, dass wir das sicher auch so hin bekommen werden.

Wie ist Deine Meinung zum neuen Bewertungssystem in der Vielseitigkeit?

Aus meiner Sicht ist das eine schlechte Entscheidung gewesen. Man sieht jetzt erst einmal, dass die Ergebnisse viel dichter beisammen liegen und das Springen eine viel höhere Gewichtung bekommen hat. Badminton lasse ich mal außen vor, da ist kaum einer im Gelände an die Zeit heran geritten, normalerweise reiten die Guten nach der Dressur aber auch ohne Fehler durch das Gelände und das Springen zum Abschluss ist dann sehr entscheidend. Das war zwar schon immer so, ist nun aber noch viel stärker. Das ist eigentlich schade, denn durch das alte Bewertungssystem, den Koeffizienten, wurde das gute Dressurreiten belohnt und die Reiter hatten einen kleinen Bonus - das fällt jetzt total weg. Jetzt sind vor allen Dingen die Richter gefragt, die ihre Notenskala ausnutzen müssen. Das heißt, da muss es auch mal eine 10 und auch eine 2 geben. Dann bekommt man durch gutes Richten das Feld wieder mehr "auseinander".

Ein Blick in Richtung Turnierwochenende. Besonders das CIC3* ist aus deutscher Sicht super besetzt.

Ja, das stimmt. Im Rahmen des CIC3* finden die Deutschen Meisterschaften statt und wir haben in den letzten Jahren mit den Reitern kommuniziert, dass unser Wunsch eine Teilnahme an dem nationalen Championat ist. Dieses Jahr haben wir ein wirklich tolles Nennungsergebnis, bis auf Michael Jung ist der komplette Championatskader am Start. Das wird ein richtiger Wettbewerb um den Titel und sicher spannend. Außerdem starten erfreulicherweise viele Nachwuchsreiter, die auch gefördert durch die U25-Serie, gesponsert von Prof. Heike, auf Dreisterneniveau gebracht worden sind. Zudem finden im nächsten Jahr in Luhmühlen die Europameisterschaften statt, mit 12 Startplätzen für die Gastgeber. Einige Reiter werden sicher schon mal, mit einem guten Ergebnis, eine Empfehlung abgeben wollen.

Es war in den letzten Wochen sehr trocken hier im Norden. Wie sieht der Boden auf dem Turniergelände aus?

Obwohl es seit sechs Wochen nicht geregnet hat, gibt es hier keine Probleme mit dem Boden. Zum Glück haben wir in Luhmühlen landwirtschaftliche Beregnung zur Verfügung. Wir konnten im Prinzip alle Plätze dauerhaft beregnen. Das Gras ist gut durchgewachsen und der Boden wirklich gut.

Zum Schluss hätte ich gerne einen Tipp von Dir. Wer wird das CCI4* gewinnen?

Wir haben vier Pferde am Start, die zum ersten Mal Viersterne gehen und Dibo hat viel Erfahrung, gerade hier in Luhmühlen, wird es aber schwer haben in der Dressur ganz vorne zu sein. Ich würde sagen: Nicola Wilson mit Bulana. Sie war im letzten Jahr Zweite und auch bei der EM 2017 sehr gut. Außerdem kennt sie Luhmühlen gut, hat hier auch schon gewonnen.

*bei den Weltreiterspielen dürfen 5 Paare an den Start gehen und das dreifache Kontingent an Pferden ist von der FEI als Longlist erlaubt.

Interview + Foto: Heather Reimer