13|09|2018 // Unsere Reiterinnen und Reiter (analog zur Startfolge)

Kai Rüder / Colani Sunrise

WEG Weltreiterspiele 2018 German Eventing

Mehr als 30 Jahre lang ist Kai Rüder (47) beständig im Vielseitigkeitssport anzutreffen. Bereits 1992 war er mit Lancaster Reservist bei den Olympischen Spielen in Barcelona. Acht Jahre später kam der gelernte Landwirt und Pferdewirtschaftsmeister, der auf der Insel Fehmarn den familieneigenen Reitbetrieb übernommen hat, mit Butscher in Sydney zum Einsatz, ebenso wie zwei Jahre später bei den Weltreiterspielen in Jerez de la Frontera. Einen Namen hat Rüder aber auch als Springreiter, unter anderem war er Teilnehmer am Hamburger Spring-Derby, aber vor allem auch als Ausbilder junger Pferde. Man erinnere sich beispielsweise an die Bundeschampions Edino (2007) und Le Carre (2008) oder auch Charlie Weld und Katmandu, 2009 Weltmeister bzw. 2006 Vizeweltmeister der jungen Vielseitigkeitspferde in Lion d’Angers.

Seine bislang größten Erfolge in der Vielseitigkeit feierte er mit dem Selle Francais-Hengst Leprince des Bois. Ihm verdankt er nicht nur den deutschen Vizemeistertitel 2011, sondern auch mehrere Platzierungen in den TOP 15 der Vier-Sterne-Klassiker Burghley, Badminton und Pau sowie den Platz des Reservisten bei den Weltreiterspielen 2010 in Kentucky/USA. In diesem Jahr darf er nun die Reise in die USA antreten. Das Comeback in ein Championatsaufgebot gelang ihm bereits im vergangenen Jahr. Mit dem Oldenburger Springpferd Colani Sunrise (v. Chico’s Boy – Laudatio, Züchter: Uwe Wolf, Bernsdorf) belegte er bei den Europameisterschaften als Einzelreiter den sechsten Platz.

Colani Sunrise
Geschlecht: Wallach
Geburtsjahr: 2006
Rasse: Oldenburg International (OS)
Vater: Chico's Boy
Mutter: Larissa von Laudatio
Besitzer: Bernhard Reemtsma
Züchter: Uwe Wolf




Julia Krajewski / Chipmuk FRH

WEG Weltreiterspiele 2018 German Eventing

Nach Höhen und Tiefen in den vergangenen Jahren hätte es für Julia Krajewski (29) und ihr WM-Pferd Chipmunk FRH in dieser Saison kaum besser laufen können. Auf den Sieg in Marbach folgte der Sieg beim höchst anspruchsvollen CCI3* Bramham und schließlich beim CHIO in Aachen. Nun werden die beiden erstmals bei Weltmeisterschaften die deutschen Farben vertreten. Wie Michael Jung ist auch Julia Krajewski ein Vorzeige-Produkt des deutschen Turnier- und Ausbildungssystems. Bereits im Ponysattel und als Juniorin hoch erfolgreich (sechs Mal Gold im Team, drei Mal Silber in der Einzelwertung, dazu ein Europameistertitel), wurde die aus Nordhorn stammende Julia Krajewski unmittelbar nach ihrem Abitur 2007 in die Perspektivgruppe berufen. In Warendorf absolvierte sie zunächst eine Ausbildung zur Pferdewirtin mit Schwerpunkt Reiten, war anschließend drei Jahre lang Mitglied der Sportfördergruppe der Bundeswehr und trat 2012, nach erfolgreicher Prüfung zur Pferdewirtschaftsmeisterin, eine Stelle als Nachwuchsführungskraft in der Abteilung Ausbildung und Wissenschaft bei der Deutschen Reiterlichen Vereinigung an. Im Dezember 2015 schloss sie erfolgreich das berufsbegleitende Studium zur Diplom-Trainerin an der DOSB-Trainerakademie in Köln ab und übernahm ein Jahr später das Amt der Junioren-Bundestrainerin.

Chipmunk FRH
Geschlecht: Wallach
Geburtsjahr: 2008
Rasse: Hannoveraner
Vater: Contendro I
Mutter: Havanna von Heraldik xx
Besitzer: Sabine u.Dr.Hilmer Meyer-Kulenkampff
Züchter: Sabine u.Dr.Hilmer Meyer-Kulenkampff




Sandra Auffarth / Viamant du Matz

WEG Weltreiterspiele 2018 German Eventing

Sandra Auffarth startet in Tryon als Titelverteidigerin. Bis vor Kurzem sah es allerdings so aus, als würde sie die Weltreiterspiele zuhause auf der Reservebank erleben. Zwar konnte sich ihr Erfolgspferd Opgun Louvo im Frühjahr in Sopot noch die formale Qualifikation für den WM-Start sichern, vor dem CHIO Aachen gab die 31-Jährige jedoch bekannt, dass „Wolle“ keine Championate mehr bestreiten solle. Seine Bilanz der letzten sieben Jahre kann sich sehen lassen: Deutscher Meister, zweimaliger Team-und Vize-Europameister, Doppelweltmeister, Mannschafts-Olympiasieger und Olympia-Dritter 2012 und Olympia-Silbermedaillengewinner mit dem Team 2016.

Nach der Entscheidung richtete Sandra Auffarth ihr Augenmerk ganz auf Opgun Louvos designierten Nachfolger Viamant du Matz, ein ebenfalls in Frankreich gezogener Fuchswallach. Der wuchs in Aachen und einige Wochen später bei der letzten Sichtung in Strzegom förmlich über sich hinaus und sicherte sich und seiner Reiterin damit den ersten Platz auf der Reserveliste. Kurze Zeit später folgte das Flugticket in die Staaten, nachdem Michael Jung seine Stute fischerRocana FST kurzfristig zurückziehen musste. Wie Jung ist auch Sandra Auffarth mit Pferden aufgewachsen und hat alle Stationen des vielseitigen Nachwuchssports in Deutschland durchlaufen: Goldene Schärpe, Nachwuchschampionat, Jugendmeisterschaften, Preis der Besten, Nachwuchseuropameisterschaften. Nach dem Abitur wurde Sandra Auffarth in die Perspektivgruppe berufen. Fünf Jahre lebte und trainierte sie in Warendorf, bevor sie 2011 mit zwei abgeschlossenen Ausbildungen – zur Pferdewirtin und zur Sport- und Fitnesskauffrau – in ihre Heimat Bergedorf bei Ganderkesee zurückkehrte. Dort führt sie den elterlichen Zucht- und Ausbildungsbetrieb. Ihr Schwerpunkt liegt dabei nicht nur auf der Vielseitigkeit, auch im Springsattel nimmt sie es mit der deutschen Spitze auf. Bei den Deutschen Meisterschaften der Springreiterinnen in Balve wurde sie mit Landlord in diesem Jahr Sechste, nachdem sie zuvor schon in Hamburg mit einem dritten Platz im Spring-Derby mit La Vista für Aufsehen gesorgt hatte.

Viamant du Matz
Geburtsjahr: 2009
Geschlecht: Wallach
Rasse: Selle Francais
Vater: Diamant de Semilly
Mutter: Heralina AA von Voltigeur le Malin AA
Besitzer: Nikolaus Prinz von Croy
Züchter: M. Roger Sevette




Andreas Dibowski / FRH Corrida

WEG Weltreiterspiele 2018 German Eventing

Nach vierjähriger Pause feiert Andreas Dibowski (52) in Tryon sein Comeback in einem Championatsteam. Drei Mal vertrat er bislang bei Olympischen Spielen und Weltmeisterschaften die deutschen Farben, nahm an sechs Europameisterschaften teil. 2008 feierte er mit Mannschafts-Gold seinen bislang größten Triumph im Sattel von FRH Butts Leon, mit dem er drei Jahre später das CCI4* in Luhmühlen gewinnen konnte. Bei den Olympischen Spielen 2012 startete Leon allerdings unter thailändischer Flagge, kehrte 2013 wieder zu seinem ehemaligen Besitzer zurück und verhalf diesem zu seinem ersten Deutschen Meistertitel – im zwanzigsten Anlauf. Mit Leons Nachfolger FRH Butts Avedon hatte „Dibo“ kurz zuvor die Reise zu den Europameisterschaften in Malmö angetreten, wo sie Gold mit dem Team gewannen. Dabei bewiesen beide Nerven wie Drahtseile. Obwohl ein heftiger Windstoß Hindernis zwei samt Dekoration beim Überspringen umwarf – keine Fehler – beendete das Paar seinen Ritt nach einer Unterbrechung mit nur einem Abwurf.

In diesem Jahr gehört der Pferdewirtschaftsmeister aus Döhle, der als einer der ersten in Deutschland den Vielseitigkeitssport schon in den 90er Jahren professionell betrieben hat, zu den am besten berittenen Kaderreitern. In Tryon setzt er auf die Hannoveraner Stute FRH Corrida, mit FRH Butts Avedon hatte „Dibo“ aber ein weiteres Eisen für die WM im Feuer. Und im Stall stehen auch noch Llanero und der Vollblüter It’s Me xx, Dibowskis Luhmühlen-Sieger von 2016, die ebenfalls die Qualifikation für einen WM-Start besitzen. Auf den Start in der Soers musste der ehemalige Aachen-Sieger in diesem Jahr allerdings verzichten. Stattdessen begleitete der Familienvater schon zum zweiten Mal seine Tochter Alina zu den Junioren-Europameisterschaften.

FRH Corrida
Geschlecht: Stute
Geburtsjahr: 2009
Rasse: Hannoveraner
Vater: Contendro I
Mutter: Expo von Espri
Besitzer: BG Corrida
Züchter: Rainer Zurmaar




Ingrid Klimke / SAP Hale Bob OLD

WEG Weltreiterspiele 2018 German Eventing

Über ein Vierteljahrhundert ist es her, seit Ingrid Klimke ihre ersten EM-Medaillen erntete. Wie schon ihr Vater, Dressur-Legende Dr. Reiner Klimke (+), hat die vielseitige Reitmeisterin, Buchautorin und gefragte Referentin aus Münster ihre Wurzeln in der „Ländlichen“ Reiterei: 1991 gewann sie Doppel-Bronze bei den EM der Ländlichen Vielseitigkeitsreiter und fand schon bald darauf Anschluss an die deutsche Spitze.

1999 errang sie mit Sleep Late ihren ersten von mittlerweile vier deutschen Meistertiteln und zählte ab 2000 nahezu ununterbrochen zum deutschen Championatsteam. Fünfmal ging sie für Deutschland bei Olympischen Spielen an den Start, gewann dabei zwei Mal Gold (2008, 2012) und einmal Silber (2016) mit dem deutschen Team. Zwei Mal Teamgold gab es auch bei Weltmeisterschaften (2006, 2014), drei weitere Mal bei den Europameisterschaften (2011, 2013 und 2015). Dazu gab es Einzelbronze bei den EM in Blenheim (2005) mit ihrem Schimmel Sleep Late. Mit dessen Nachfolger Butts Abraxxas FRH war ihr eine Einzelmedaille dagegen nicht vergönnt – der kleine Rappe konnte sich bekanntlich nicht so recht mit den bunten Stangen des Parcours anfreunden. Erst im Sommer 2013 bei den EM in Malmö stand Ingrid Klimke mit Escada JS auch wieder in Einzelwertung als Vize-Europameisterin auf dem Treppchen. Ihren bislang größten Triumph feierte sie allerdings im vergangenen Jahr als sie es in Strzegom mit SAP Hale Bob OLD ganz oben aufs Treppchen schaffte und zur Europameisterin in der EM-Einzelwertung gekürt wurde.

SAP Hale Bob OLD
Geschlecht: Wallach
Geburtsjahr: 2004
Zuchtgebiet: Oldenburger
Vater: Helikon xx
Mutter: v. Noble Champion
Züchter: Dr. Rolf Lück, Crailsheim
Besitzer: Ingrid Klimke

Quelle: FN-Pferdesprort
Fotos: Diana Jung